von Sebastian Altenburg
Wie Kriege enden – Dr. Thorsten Gromes spricht in Marköbel über Wege zum dauerhaften Frieden
Am Volkstrauertag hat die Gemeinde Hammersbach gemeinsam mit dem Verein für Kultur und Heimatgeschichte Hammersbach e.V. zu einem besonderen Vortrag ins Historische Rathaus Marköbel eingeladen. Zu Gast war Dr. habil. Thorsten Gromes vom Peace Research Institute Frankfurt (PRIF), einer der profiliertesten deutschen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Friedens- und Konfliktforschung. Sein Thema: „Wie Kriege enden – und nicht wieder ausbrechen“.
Vor zahlreichem Publikum zeichnete Dr. Gromes verständlich und präzise nach, auf welche Weise bewaffnete Konflikte weltweit typischerweise beendet werden. Er erläuterte die drei gängigen Formen – militärischer Sieg, Verhandlungen und internationale Interventionen – und beschrieb die jeweiligen Chancen, Risiken und Bedingungen. Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, welche politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein einmal erreichter Frieden Bestand hat. Besonders hob Gromes die Rolle von UN-Friedensmissionen hervor, deren positive Wirkung in der öffentlichen Wahrnehmung häufig unterschätzt werde.
Großes Interesse fanden auch seine Ausführungen zu sogenannten Konfliktmythen – verbreiteten, aber irreführenden Vorstellungen über Kriege und Friedensprozesse. Dazu zähle etwa die Annahme, es gebe grundsätzlich „keine militärische Lösung“; die Geschichte zeige hingegen, dass Konflikte durchaus auch militärisch beendet worden seien. Ebenso problematisch sei der Begriff „Stellvertreterkrieg“, der lokale Akteure häufig unzutreffend auf die Rolle von Marionetten externer Mächte reduziere. Solche vereinfachenden Narrative, so Gromes, erschwerten oft ein realistisches Verständnis komplexer Konfliktdynamiken und könnten politische Entscheidungen verzerren.
Im anschließenden Austausch nutzte das Publikum die Gelegenheit zu zahlreichen Fragen. Die Diskussion reichte von aktuellen geopolitischen Entwicklungen bis hin zur Herausforderung, wie wissenschaftlich fundierte Analysen gegenüber Falschinformationen, gezielten Manipulationen und der Vermischung von Meinung und Berichterstattung sichtbar bleiben können.
Mit der Veranstaltung gelang es den Organisatoren, den Volkstrauertag nicht nur als Tag des Gedenkens zu gestalten, sondern zugleich als Anstoß zur reflektierten Auseinandersetzung mit den Ursachen von Gewalt und den Wegen zu nachhaltigem Frieden. Die Gemeinde und der Verein zeigten sich sehr zufrieden mit der Resonanz und dankten Dr. Gromes für einen ebenso informativen wie anregenden Vortrag.